Nach dem 13. August 1961 konnten die beiden von der BVG (West) betriebenen Linien C und D (heute U 6 und U 8) weiterhin Bestandteile des Westnetzes bleiben. Die BVG zahlte dafür eine monatliche Nutzungs- und Wartungspauschale von durchschnittlich rund 350.000 DM.

Die Bahnhöfe wurden verschlossen und bewacht, die Züge fuhren ohne Halt durch, der Tunnel in besonderer Weise gesichert. Die Zugänge verschwanden mehr und mehr aus dem Stadtbild. In den 1980er Jahren ersetzten Überwachungskameras und Lichtschranken die Doppelposten auf den Bahnsteigen. Dennoch blieben die Stationen anscheinend intakt. Die großen Gefahren durch verschweißte Notausgänge oder überalterte Technik waren nicht sichtbar. Rasch gab es nach dem 9. November 1989 die Forderung, die Stationen für den Ein- und Ausreiseverkehr wieder zu öffnen.

Transitlinie U6

Die U 6 unterfährt unter dem Straßenzug Chausseestraße - Friedrichstraße fast in gerader Nord-Süd-Richtung den alten Bezirk Mitte. Dieser Streckenabschnitt wurde im Jahr 1923 eröffnet. In Folge der Grenzsicherungsmaßnahmen am 13. August 1961 wurden geschlossen:

• Walter-Ulbricht-Stadion (heute: Schwartzkopffstraße),

• Nordbahnhof (heute Zinnowitzer Straße/Naturkundemuseum),

• Oranienburger Tor,

• Französische Straße und

• Stadtmitte.

Die Station Bahnhof Friedrichstraße blieb als Zugang zur Grenzübergangsstelle und Umsteigestation zur ebenfalls dem Westnetz der S-Bahn zugeschlagenen Nordsüd-S-Bahn, zur Stadtbahn und zum Fernverkehr geöffnet. Von Ost-Berliner Seite war sie aber nur nach Kontrollen zugänglich.

Auf der Station Stadtmitte blieb der Bahnsteig der Linie A (heute U 2) als Bestandteil des Ost-Berliner U-Bahnnetzes in Betrieb. Der Verbindungsgang („Mäusetunnel“) wurde aber durch eine Betonplatte verschlossen.

Bereits in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1989 wurde der U-Bahnhof Friedrichstraße auch von östlicher Seite zugänglich, weiterhin aber erst nach Passieren der noch bestehenden Kontrollen.

Die anderen Stationen der U 6 blieben weiterhin verschlossen. Erst nach Renovierungsmaßnahmen und technischen Instand-setzungen wurden die Stationen am 1. Juli 1990 wieder geöffnet. An diesem Tag endeten alle Kontrollen zwischen Ost und West. Der „Mäusetunnel“ blieb noch bis zum 30. November 1990 geschlossen.

Transitlinie U8

Die U 8 war die zweite unter Ost-Berlin verkehrende Transitlinie; dort gab es keinen Zwischenstopp. Die 1930 eröffneten Stationen waren vergleichsweise großzügig ausgeführt, lagen im Regelfall in 1½-facher Tiefenlage, hatten also ein Zwischengeschoss.

Am imposantesten bot sich der Bahnhof Alexanderplatz dar. Hier trafen sich die heutigen U-Bahnlinien U 2, U 5 und U 8 (A, E, D). Der U-Bahnhof Jannowitzbrücke wurde als Umsteigestation zur gleichnamigen Stadtbahnstation der S-Bahn ausgeführt.

Die weiteren, in Folge des Mauerbaus geschlossenen Stationen waren:

• Bernauer Straße,

• Rosenthaler Platz,

• Weinmeisterstraße und

• Heinrich-Heine-Straße.

Im Zuge der Grenzschließung wurden die straßenseitigen Zugänge geschlossen und Umsteigetunnel vermauert.

Über den „Waisentunnel“, der zwischen den Stationen Heinrich-Heine-Straße und Jannowitzbrücke abzweigte, konnten östliche Arbeitsfahrzeuge in den Tunnel gelangen. 1972 und 1988/89 wurden über diesen Tunnel überzählige West-Berliner U-Bahnwagen an die Ost-Berliner BVB übergeben. Der Tunnel war streng gesichert.

Während die übrigen Stationen noch dicht blieben, wurde der U-Bahnhof Jannowitzbrücke schon am 11. November 1989 wiedereröffnet. War er in deutlich besserem Zustand als die anderen Stationen? Noch kontrollierten im Zwischengeschoss Stasi-Mitarbeiter, als Grenzsoldaten verkleidet, die Fahrgäste zwischen Ost und West.

Der U-Bahnhof Rosenthaler Platz ging am 22. Dezember 1989 wieder in Betrieb. Auch hier wurde das Zwischengeschoss als Kontrollbereich genutzt.

Der nördliche Zugang des U-Bahnhofs Bernauer Straße lag fast in West-Berlin. So wurde er schon am 12. April 1990 geöffnet. Wer den Bahnhof von östlicher Seite betreten wollte, musste erst die - noch kontrollierte - Grenze nach West-Berlin überqueren. Der Südzugang blieb bis zum 1. Juli geschlossen. An diesem Tag wurden auch die übrigen noch geschlossenen Stationen wieder für den Verkehr geöffnet. Am besonders symbolträchtigen Alexanderplatz hoben der West-Berliner Regierende Bürgermeister Walter Momper und sein Ost-Berliner Kollege Oberbürgermeister Tino Schwierzina gemeinsam den Befehlsstab für den Abfahrauftrag.

U-Bahnlinien U 1 und U 2

Auf zwei U-Bahnabschnitten wurde am 13. August 1961 der Betrieb eingestellt:

  • Gleisdreieck - Thälmannplatz (heute Mohrenstraße; U 2) und
  • Schlesisches Tor - Warschauer Brücke (heute U 1).

Gleisdreieck - Thälmannplatz

Am Potsdamer Platz, einst „Herz“ der Metropole, verlief seit 1945 die Sektorengrenze, die am 13. August 1961 zur Mauer gerann. Auch unterirdisch wurde hier eine Mauer gebaut. Sie trennte die damalige U-Bahnlinie A, die zwischen Pankow über Alexanderplatz nach Ruhleben (A I) und Krumme Lanke (A II) verkehrte. Auf Ostberliner Seite wurde der U-Bahnverkehr bis zur Station Thälmannplatz (heute Mohrenstraße) zurückgezogen. Dies geschah wegen der Bedeutungslosigkeit der Station Potsdamer Platz unmittelbar im Grenzgebiet und um eine Abstellmöglichkeit für bis zu 10 Achtwagenzüge auf der Linie A zu erhalten. Auf westlicher Seite wurde der Bahnverkehr noch bis 1972 zur Station Gleisdreieck weitergeführt. Dann stellte die BVG den Betrieb auf dem Hochbahnabschnitt Gleisdreieck - Nollendorfplatz - Bülowstraße - Gleisdreieck ein.

Auf der weiten, öden Fläche des Potsdamer Platzes erinnerten nur noch die mit Betonplatten abgedeckten Bahnsteigzugänge an den alten U-Bahnhof. Im Untergrund selbst war noch Leben: Die Gleise dienten als Abstellanlage für das Ost-Berliner U-Bahnnetz. Seit 1972 gab es hier eine kuriose Situation: Ost-Berlin hatte die Fläche des ehemaligen Potsdamer Bahnhofes samt der angrenzenden Grundstücke und der alten U-Bahntrasse an den West-Berliner Senat verkauft. Offenbar hatte man dabei übersehen, dass nun ein Teil der noch genutzten U-Bahn-Gleise auf West-Berliner Gebiet lagen. Stillschweigend duldete der Senat bis zum Fall der Mauer die Grenzsicherungsanlagen auf westlichem Territorium. Vielleicht war dies auch ein Pfand, das die weitere Nutzung von U 6 und U 8 sichern half.

In den 1980er Jahren entstand im Westen unter Mitnutzung der alten U-Bahntrasse eine Versuchsstrecke für die Magnetbahn. Manch einer träumte damals davon, mit ihr U- oder S-Bahn zu ersetzen. Erst nach Abschluss des Probebetriebes im Juli 1991 konnte die Magnetbahn entfernt und mit der Wiederherstellung der alten Verbindung Gleisdreieck -Potsdamer Platz begonnen werden. Auch die alte Hochbahntrasse in der Bülowstraße samt den dortigen Stationen musste umfangreich erneuert werden.

Am 13. November 1993 war es endlich soweit: Zwischen Wittenbergplatz und Alexanderplatz - zwischen der City-West und der City-Ost - fuhr wieder die U-Bahn. Die Baukosten beliefen sich auf umgerechnet rund 110 Millionen Euro.

Schlesisches Tor - Warschauer Brücke

Da am östlichen Ende der heutigen U 1 nur eine Station - Warschauer Brücke - auf Ost-Berliner Gebiet lag, war eine Stilllegung zwingend. Dort noch verbliebene Züge wurden später per Straßenroller abgefahren. Die Bahnhofsanlagen samt der Wartungshallen wurden von der BVB (zeitweise als Kleiderkammer und als Zentralwerkstatt für Elektroteile) und für industrielle Zwecke genutzt. Die Oberbaumbrücke, war zuvor denkmalgerecht (ohne den am Kriegsende zerstörten Bahnhof Stralauer Tor) wiederhergestellt worden. Die Oberbaumbrücke selber wurde zum Grenzübergang.

Nach umfangreichen Baumaßnahmen wurde der Streckenabschnitt Schlesisches Tor - Warschauer Brücke am 14. Oktober 1995 wiedereröffnet. Der U-Bahnhof heißt seitdem - in Angleichung an die benachbarte S-Bahnstation - Warschauer Straße. Die Oberbaumbrücke war zuvor denkmalgerecht wiederhergestellt worden. Die Baukosten beliefen sich auf umgerechnet rund 89 Millionen Euro.