Rund ein Jahr nach den Massenfluchten aus der DDR, den Großdemonstrationen und schließlich dem Mauerfall wurde in der Nacht vom 2. zum 3. Oktober 1990 aus BRD und DDR wieder ein Deutschland.

In Berlin, der alten und neuen Hauptstadt, feierten die Menschen rund um das Brandenburger Tor und den Reichstag oder Unter den Linden und am Kurfürstendamm. Für BVG und DR bedeutete dies, wieder Höchstleistungen zu erreichen. Die Leiter der Dienststellen wurde angewiesen, bei der gegebenenfalls anzuordnenden Mehrarbeit möglichst auf „Freiwilligkeit“ als „der besseren Lösung“ zu orientieren (BVG-Hausmitteilung, 1. Oktober 1990). Rund 1 Million Besucher wurden rund um die zentrale Feier am Reichstag mit Festansprachen und Feuerwerk erwartet.

Die wichtigsten verkehrlichen Auswirkungen am 2. Oktober 1990

Alle S-Bahnen von BVG und DR verkehrten im durchgängigen Nachtverkehr, durchschnittlich alle 10 bis 20 Minuten. Der S-Bahnhof Unter den Linden wurde wegen des Fahrgastansturmes aus Sicherheitsgründen geschlossen, Züge fuhren (wieder) durch.

Mit Ausnahme von U 3 und U 4 (Wittenbergplatz - Uhlandstraße bzw. Nollendorfplatz - Innsbrucker Platz) verkehrten alle U-Bahnlinien in Ost und West durchgängig, durchschnittlich alle 5 bis 10 Minuten. Die DR fuhr auf den Strecken Wannsee - Potsdam und Charlottenburg - Nauen einen durchgehenden Nachtverkehr der Regionalzüge.

Auf vielen Buslinien wurde ein attraktiver Nachtverkehr eingerichtet.

Am 3. Oktober 1990 verkehrten dann die Verkehrsmittel nach dem Sonntagfahrplan.

Mit der „Vollendung der Einheit Deutschlands“ fing Vieles erst richtig an. Noch stand die umfangreiche Instandsetzung und Modernisierung - insbesondere der Schienennetze des öffentlichen Nahverkehrs - erst bevor. Viele Lücken im Schienennetz zwischen beiden ehemaligen Stadthälften und der ehemaligen westlichen Stadthälfte und Brandenburg bestehen auch 30 Jahre nach dem Mauerfall immer noch weiter.

Dennoch haben rund 30 Jahre nach dem Mauerfall Berlin und die Region insgesamt wieder ein modernes und leistungsfähiges Nahverkehrsangebot, sind die baulichen Wunden der Teilung weitgehend verheilt. Neue Anforderungen - sei es durch eine dominierende autoorientierte Politik, wirtschaftliche Sparzwänge oder die Folgen des Privatisierungswahns öffentlicher Aufgaben - prägen heute den Alltag.