Die Frage „Wie komme ich nach…?“ ist in den Wochen nach dem Mauerfall in Ost und West sicherlich hunderttausendfach gestellt worden. Häufig fand sich ein Ortskundiger, der gerne Auskunft gab. Auf Dauer war das aber keine Lösung für das Informationsbedürfnis der Fahrgäste nach Verbindungen, Fahrzeiten und Tarifen.

Vor dem Fall der Mauer gab es nur wenig, was einen auf den anderen Teil der Stadt oder auf das Umland vorbereitete. Auf Netzplänen in der DDR war West-Berlin soweit es nur irgend ging, verschwunden. Kein Hinweis auf die Angebote von S-Bahn, U- Bahn oder Bus. Auf westlicher Seite war es kaum besser. Zwar zeigte der Netzplan von S- und U-Bahn einige Linien im Ostteil der Stadt - das war aber eher politisches Bekenntnis zur Unteilbarkeit der Stadt als real verwendbare Auskunft. Fahrpläne oder Fahrscheine für die andere Seite gab es auch im Westen nicht zu kaufen.

Nach dem Mauerfall musste improvisiert werden. Eine erste, hastig gedruckte Information für die DDR-Bürger umfasste das westliche Schnellbahnnetz in schwarz-weiß mit den markierten Grenzübergängen. Außerdem gab es Faltblätter, die über die Fahrpläne der neuen Busverbindungen informierten. Auf Bahnhöfen und Haltestellen wurde mit Fotokopien oder Pappschildern improvisiert.

Im April 1990 brachte die BVG die erste Netzspinne für den Schienenverkehr im Raum Berlin heraus. Enthalten waren S-Bahn, U-Bahn und das Streckenangebot des Regionalverkehrs der DR (S-Bahn-Tarif). Das, was bis zum 9. November 1989 noch eine unüberwindliche, todbringende Grenze zwischen den beiden Weltmächten war und von der DDR „Staatsgrenze“ genannt wurde, hieß nun „Verkehrsbereich BVG“. Noch fehlten gemeinsame Linienbezeichnungen, und die Grafik war noch etwas unübersichtlich. Deutlich waren für den Kenner des historischen Verkehrsnetzes noch die vielen Lücken und Fehlstellen, insbesondere in Form eingestellter Linien des S-Bahn- und U-Bahn-Verkehrs erkennbar.

Eine Enttäuschung erlebten die Benutzer des öffentlichen Nahverkehrs in Ost und West, als im Frühjahr 1990 die neuen Jahresfahrpläne herauskamen: Einen gesamtberliner Fahrplan gab es nicht. Lediglich einzelne Hinweise über Tarife, Grenzübergänge oder dortige Anschlüsse hatten Eingang in die Publikationen gefunden. Noch war die Stadt formal geteilt, fanden an den Grenzen Personen- und Zollkontrollen statt, gab es in Berlin zwei Währungen.

Erst im Jahr darauf - also 1991 - wurde mit dem „Kursbuch Region Berlin“ für Berlin und Potsdam ein einheitliches Fahrplanangebot mit einem gemeinsamen Liniennetz und einem neuen Nummernschema für das Angebot von Bahnen und Bussen von BVG, DR und ViP (Verkehrsbetrieb in Potsdam) vorgelegt.