Der Bau der Mauer am 13. August 1961 spaltete die Netze von S- und U-Bahn in zwei voneinander unabhängige Systeme.

Stillgelegte S-Bahnstrecken

  • 12 Strecken mit insgesamt 36,38 Kilometer Länge zwischen den Stadthälften und dem Umland eingestellt,
  • 9 S-Bahnhöfe geschlossen und
  • 9 weitere verloren den elektrischen Betrieb - die Nordsüd-S-Bahn zur unterirdischen Transitstrecke unter Ost-Berlin.

Anfang 1989 konnte niemand voraussagen, dass sich 12 Monate später die politische Landkarte Europas, ja der Welt, völlig verändert haben würde. 2020 ist die Mauer - fast sechs Jahrzehnte Symbol der Teilung Europas - offen ihr Abriss schon längst abgeschlossen.

Was war geschehen?

Die Wirtschaft der Ostblockstaaten war am Ende. Das Wettrüsten und das Unvermögen, mit der realsozialistischen Kommandowirtschaft einen hohen Lebensstandard zu erzielen, war der Kern des Scheiterns. Auch die DDR war bei nüchterner Betrachtung (schon lange) pleite, überlebte nur noch Dank westdeutscher Wirtschaftshilfe.

19. Januar 1989 SED-Generalsekretär Erich Honecker erklärt, dass die Mauer auch in 50 oder 100 Jahren noch steht, wenn ihre Ursachen nicht beseitigt wären.
6. Februar 1989 Chris Gueffroy wird das letzte Opfer des Schießbefehls an der Berliner Mauer.
4. April 1989 Aufhebung des Schießbefehls; seit diesem Tag durfte nur noch zur Selbstverteidigung geschossen werden.
2. Mai 1989 Öffnung der Grenze zwischen Ungarn und Österreich, das erste "Loch" im Eisernen Vorhang.
7. Mai 1989 Kommunalwahlen in der DDR, vielerorts werden Wahlfälschungen kritisiert.
4. Juni 1989 Blutige Unterdrückung der Proteste in der Volksrepublik China; die DDR-Führung äußert ihr Verständnis zur "Niederschlagung einer Konterrevolution". In Polen finden die ersten freien Wahlen in einem Ostblock-Land statt.
4. September 1989 Beginn der "Montagsdemonstrationen" in Leipzig.
10. September 1989 Ungarn erlaubt offiziell die Ausreise von DDR-Bürgern über seine Grenze nach Österreich.
30. September 1989 5.500 in die Botschaft der BRD in Prag geflüchtete DDR-Bürger erhalten die Ausreisegenehmigung nach Westdeutschland.
4. bis 8. Oktober 1989 In Zusammenhang mit dem Transport der Prager Botschaftsflüchtlinge durch die DDR kommt es in Dresden zu tage-langen schweren Zusammenstößen.
7. Oktober 1989 "Tag der Republik": Offizielle Feiern und Demonstrationen einerseits, brutal niedergeschlagene Demonstrationen und willkürliche Massenverhaftungen anderseits markieren den (letzten) Jahrestag der DDR-Gründung.
9. Oktober 1989 In Leipzig demonstrieren rund 70.000 Menschen friedlich für einen demokratischen Wandel in der DDR.
18. Oktober 1989 SED-Generalsekretär Erich Honecker tritt zurück, Egon Krenz wird sein Nachfolger.
29. Oktober 1989 Treffen zwischen dem Regierenden Bürger-meister von West-Berlin Walter Momper, dem SED-Bezirkssekretär Günter Schabowski und dem Oberbürgermeister von Ost-Berlin Erhard Krack. Der Senat installiert daraufhin eine Projektgruppe zur Vorbereitung technischer und verkehrlicher Maßnahmen nach einer Öffnung der Mauer.
4. November 1989 Rund 500.000 Menschen demonstrieren auf dem Alexanderplatz für eine demokratisierte DDR.
9. November 1989 Nach der berühmten Pressekonferenz von Günter Schabowski strömen Zehntausende zu den Grenzübergängen nach West-Berlin und begehren Durchlass; die Mauer fällt.
13. November 1989 Hans Modrow wird von der Volkskammer zum Ministerpräsidenten der DDR gewählt.
28. November 1989 Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl legt ein 10-Punkte-Programm zur Einheit Deutschlands vor.
3. Dezember 1989 Auflösung des Politbüros und des Zentralkomitees der SED.
7. Dezember 1989 Beginn der Gespräche am Runden Tisch über eine neue DDR-Verfassung.
24. Dezember 1989 Abschaffung der Visa-Pflicht und des Zwangsumtausches für Bürger aus der BRD bzw. West-Berlin. Nun kann ungehindert in beide Richtungen über die deutsch-deutsche Grenze gereist werden.
18. März 1990 Volkskammerwahl in der DDR, Lothar de Mazière (CDU) wird erster demokratisch gewählter Ministerpräsident der DDR.
5. Mai 1990 Beginn der "Zwei-plus-Vier-Gespräche" über die Einheit Deutschlands.
6. Mai 1990 Erste demokratische Kommunalwahlen in der DDR.
12. Juni 1990 Erste gemeinsame Sitzung des West-Berliner Senats und des Ost-Berliner Magistrats.
1. Juli 1990 Herstellung der Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion mit Einführung der D-Mark in der DDR; Abschaf-
fung aller Grenzkontrollen.
23. August 1990 Die Volkskammer beschließt den Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes zum 3. Oktober 1990.
12. September 1990 Abschluß der Zwei-plus-Vier-Vereinbarungen zwischen den beiden deutschen Staaten und den vier Siegermächten über die Souveränität Gesamtdeutschlands.
20. September 1990 Bundestag und Volkskammer beschließen den Einigungsvertrag.
3. Oktober 1990 Herstellung der Einheit Deutschlands.

Akteure, Vorschriften, Finanzen

Auf den ersten Blick scheint alles ganz einfach: Die Verkehrsunternehmen stimmen ab, wer wo und wie oft fährt - und schon kann es losgehen mit dem Betrieb. Aber so einfach war es nicht. Nicht nur Mauern, also tatsächliche physische Hindernisse, waren zu überwinden. Bei genauerer Betrachtung waren es zwei staatliche Systeme ganz unterschiedlicher Art und zwei Wirtschaftssysteme, die verschiedener kaum sein konnten, die nun - quasi über Nacht - zur Zusammenarbeit aufgerufen waren. Und das gleich im Rahmen extremer betrieblicher Anforderungen.

Die Akteure

Da waren nicht nur die BVG auf der einen Seite und die Deutsche Reichsbahn, die BVB und verschiedene Verkehrskombinate des Umlandes auf der anderen Seite, die an Entscheidungen und Abläufen mitzuwirken hatten. Bis zum 3. Oktober 1990 waren Kontakte zwischen West-Berlin und der DDR zwischenstaatlicher Natur. Insbesondere die DDR setzte noch lange auf ihre (immer schwächer werdenden) Hoheitsrechte: Zoll, die Grenzorgane und das Ministerium für Staatssicherheit waren zumindest in den ersten Wochen nach dem Mauerfall noch wichtige Akteure. Das Ministerium für Verkehrswesen oder das für Auswärtige Angelegenheiten sprachen ebenfalls mit. Auch von westlicher Seite mussten deshalb verschiedene Senatsverwaltungen und Bundesministerien mitreden. Und noch gab es alliierte Vorbehaltsrechte und Zustimmungspflichten.

Die Frage „Wie komme ich nach…?“ ist in den Wochen nach dem Mauerfall in Ost und West sicherlich hunderttausendfach gestellt worden. Häufig fand sich ein Ortskundiger, der gerne Auskunft gab. Auf Dauer war das aber keine Lösung für das Informationsbedürfnis der Fahrgäste nach Verbindungen, Fahrzeiten und Tarifen.

Vor dem Fall der Mauer gab es nur wenig, was einen auf den anderen Teil der Stadt oder auf das Umland vorbereitete. Auf Netzplänen in der DDR war West-Berlin soweit es nur irgend ging, verschwunden. Kein Hinweis auf die Angebote von S-Bahn, U- Bahn oder Bus. Auf westlicher Seite war es kaum besser. Zwar zeigte der Netzplan von S- und U-Bahn einige Linien im Ostteil der Stadt - das war aber eher politisches Bekenntnis zur Unteilbarkeit der Stadt als real verwendbare Auskunft. Fahrpläne oder Fahrscheine für die andere Seite gab es auch im Westen nicht zu kaufen.

Viele Jahrzehnte gab es im geteilten Berlin tarifliche Kuriositäten. Seit März 1949 wurden Fahrkarten bzw. Fahrscheine nur noch in den jeweils gültigen Währungen verkauft. In den 1950er Jahren führte die BVG (West) Sonderfahrscheine ein, mit denen Ost-Berliner oder DDR-Bürger wahlweise die drei Verkehrsmittel U-Bahn, Straßenbahn oder einige Autobuslinien gegen Zahlung von DM der DDR (Deutsche Mark der Deutschen Notenbank) benutzen konnten. Zur Ausgabe reichte das jeweilige DDR-Personaldokument. Diese Sonderfahrscheine B galten allerdings nur in West-Berlin und wurden bis 1961 angeboten. West-Berliner mussten in Ost-Berlin die dortigen - niedrigen - Tarife zahlen. Auf der U-Bahn wurden die Fahrscheine gegenseitig anerkannt.